Als Ayoub das erste Mal ins Café International kam, war er neun oder zehn Jahre alt, so ganz genau weiß er es nicht mehr. Kurz zuvor ist er mit seinen Eltern und den vier Geschwistern vor dem syrischen Bürgerkrieg nach Deutschland geflohen. Nach einem Aufenthalt in einer Ersteinrichtung zog die Familie nach Mühlhausen. Genauer gesagt in die Martinivorstadt. Ein Stadtteil mit vielschichtigen sozialen Problemlagen. Aber auch mit engagierten Menschen, die sich für das Quartier und seine Bewohnerschaft einsetzen.

Stadtteil mit großen Herausforderungen. Menschen mit großem Herz.

Zum Beispiel Isabell Schmauch, Jan Borostowski-Trautmann und Stefan Icke.
Isabell und Jan arbeiten seit der ersten Stunde im Café International. Sie waren dabei, als es Anfang 2016 eröffnet wurde, und kennen seitdem auch Ayoub. Stefan ist seit ungefähr einem Jahr dabei. Gemeinsam haben sie das Café International zu einer echten Institution in der Martinivorstadt gemacht. Ob Hilfe bei Behördengängen, Unterstützung bei Antragsformularen oder einfach für den zwischenmenschlichen Austausch – das Café International ist für die Menschen im Quartier da. Niedrigschwellig und unvoreingenommen. Alles, um Teilhabe und Zusammenhalt zu fördern. Dazu tragen tolle Ideen bei, wie ein Suppentag, an dem eine kostenlose Mahlzeit verteilt wird, ein jährlich stattfindendes Stadtteilfest oder ein Hinterhofkino.
Geld aus Europa. Geld für Thüringen.

Das Café International ist ein ThINKA-Projekt. ThINKA steht für „Thüringer Initiative für Integration, Nachhaltigkeit, Kooperation und Aktivierung“. Die Initiative entwickelt Konzepte zur sozialen Integration, Wiederherstellung der Beschäftigungsfähigkeit und Verbesserung der Lebensbedingungen in benachteiligten Stadtteilen. Umgesetzt werden die Konzepte von sozialen Trägern. Im Falle des Cafés International ist es der Evangelische Kirchenkreis Mühlhausen, der die Fördermittel beim Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus) für Thüringen beantragt.
„Ohne die von der EU bereitgestellten Mittel würde das Projekt so nicht bestehen“, ist sich Isabell sicher. „Was ein Riesenverlust für die Menschen in der Martinivorstadt wäre.“ Auch für Ayoub. Für ihn ist das Café International viel mehr als eine Begegnungsstätte. Für ihn ist es ein zweites Zuhause, in dem er einen großen Teil seiner Freizeit verbringt und sich inzwischen selbst ehrenamtlich einbringt. Seine ersten Erfahrungen hat er als Dolmetscher gesammelt. Durch den Aufenthalt im Café International hat Ayoub relativ schnell die deutsche Sprache gelernt und konnte so für die älteren Syrerinnen und Syrer übersetzen. Schon kurze Zeit später wechselte er von der Rolle des Hilfesuchenden in die des Helfers. Zum Beispiel bei der Essensausgabe am Suppentag oder bei der Organisation des Stadtteilfests. Mittlerweile organisiert er zusammen mit Freunden ehrenamtlich Partys, aber auch Info-Abende für Jugendliche und junge Erwachsene.
Weil Menschen glücklich machen glücklich macht.

Für sein Engagement erhielt Ayoub sogar den „Thüringer Engagementpreis“. Isabell und Jan hatten ihn dafür vorgeschlagen, weil sie von seiner Leidenschaft fürs Helfen begeistert sind. Eine tolle Bestätigung für Ayoub, die ihm aber vor allem Ansporn ist, sich weiterhin zu engagieren. So plant er mit seinen Freunden ein großes Musikfestival in der Martinivorstadt. 2030 soll es so weit sein. Fragt man ihn, was ihn antreibt, ist seine Antwort: „Weil ich gerne Menschen glücklich sehe.“ Gibt es einen besseren Grund zu helfen?!














