Einen zweiten Anlauf brauchen, weil man zu viel auf den Schultern hat. Nicht nur Nico Trieb aus Saalfeld hat mit solchen Startschwierigkeiten zu kämpfen. Es geht vielen so in der Mitte unserer Gesellschaft. Mittendrin liegt auch der Ort, an dem Nico Hilfe gefunden hat: das Bildungswerk BLITZ e.V., nur ein paar Schritte vom Saalfelder Marktplatz entfernt. Der 23-Jährige hatte beim Bildungswerk BLITZ e.V. die Möglichkeit, aus seiner ersten, erfolglosen Ausbildungsstelle direkt in einen ausbildungsvorbereitenden Unterricht zu wechseln. „Ich bekam gleich Kontakt zu einer Sozialarbeiterin. Sie hat sich dafür starkgemacht, dass ich meinen festen Tagesablauf nahtlos beibehalte“, so Nico dankbar.

Förderung, die ankommt, wenn es darauf ankommt.
Tausche alte Probleme gegen neue Perspektiven.

Diese Unterstützung fand der junge Mann durch seine Teilnahme am Projekt PERSPEKTIVE. Ziel des Projekts ist es, jungen Menschen, die mit größerem Gepäck ins Leben starten als andere, die gleichen Chancen auf ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Sie haben eine Anlaufstelle, an der sie über ihre Probleme sprechen können, bekommen soziale und berufliche Kompetenzen vermittelt und werden so ans Berufsleben herangeführt. Die Europäische Union fördert das Projekt PERSPEKTIVE über den Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus). Ohne die EU gäbe es das Projekt nicht. „Man kann bis zu 24 Monate bei uns bleiben“, schildert Sozialpädagogin Manuela Findling-Obst das Hilfsangebot. „Viele sagen: Mir reicht ein Jahr, ich will nur meinen Hauptschulabschluss machen. Und andere sagen: Ich brauche erst mal ein Jahr, um wieder Alltagsstruktur hinzubekommen, und schaue im zweiten Jahr, wo es beruflich für mich hingeht.“

Die Teilnehmenden für das Projekt schicken das Jobcenter und das Jugendamt des Landkreises Saalfeld-Rudolstadt zu Manuela Findling-Obst und den acht anderen Lehr- und Betreuungskräften. Auch schulpflichtige Jugendliche, die aus den verschiedensten Gründen nicht mehr zur Schule gehen, können in Absprache mit dem Schulamt im Projekt einen Platz finden. „Also ich hab’ hier gelernt weiterzumachen, auch wenn es schwierig ist“, sagt Nico. In der Schule fühlte er sich alleingelassen: „Hier nehmen sich die Lehrer viel mehr Zeit für einen und erklären alles. Die Schule hat mich zu wenig darauf vorbereitet, wie das echte Leben ist.“ Wenn dann verschiedene persönliche Probleme oder psychische Einschränkungen dazukommen, fallen junge Menschen wie er leicht aus dem Bildungssystem. Das ist nicht nur menschlich fatal, sondern auch gesellschaftlich. Denn wer ungebildet bleibt, fehlt auf dem Arbeitsmarkt und kann den Lebensunterhalt nicht bestreiten.
Kommen mit Rückenwind aus Europa weiter: Nico und Thüringen.

Mit Projekten wie PERSPEKTIVE fördert der ESF Plus also nicht nur junge Thüringer:innen, sondern das ganze Land. Nico will sein Leben künftig selbst in die Hand nehmen. Im September startet er eine neue Berufsausbildung zum Fachpraktiker Verkauf. Sozialpädagogin Manuela Findling-Obst freut sich für ihn: „Wenn man sieht, wie die Teilnehmenden zu uns kommen, mit welcher schulischen Bildung, in welchem Gesundheitszustand, mit welchen Problemen, und wie sie hier wieder rausgehen – da merken wir tagtäglich, was unser Projekt bewirkt.“ Nico bekräftigt seine Motivation: „Ich hab aus meiner ersten Ausbildung schon Erfahrung im Einzelhandel. Verkaufen ist schon das, was ich gern machen will. Jetzt wirklich.“ Dabei strahlt er so viel Zuversicht aus, dass man ihm jedes Wort abkauft.




















