Hinter Gittern eine Zukunft vor sich haben.

Wenn Mario Wölpert eingegangene Bestellungen bearbeitet und für den Versand vorbereitet, hat das vor allem ein Ziel: ihm eine Perspektive zu geben. Eine Perspektive für die Zeit nach seinem Gefängnisaufenthalt. Mario Wölpert verbüßt derzeit eine 4-jährige Haftstrafe in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Suhl-Goldlauter. Doch statt die Strafe einfach nur abzusitzen, hat sich Mario dazu entschieden, während seiner Haftzeit eine Umschulung zum Fachlageristen zu absolvieren, und zwar im Rahmen des B.I.S.S.-Programms. B.I.S.S. steht für „Bildung und Integration von Strafgefangenen und Strafentlassenen“. 

 

Das Programm wurde 2007 vom Thüringer Justizministerium entwickelt, damit Strafgefangene nach ihrer Entlassung aus der Haftanstalt bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Gleichzeitig hilft B.I.S.S., dem Fachkräftemangel im Freistaat entgegenzuwirken. Darum wird das Projekt auch vom Europäischen Sozialfonds (ESF Plus) gefördert. Rund 60 % der benötigten Gelder stammen aus EU-Mitteln. „Dadurch sichert Europa die Finanzierung des Projekts, das so sonst nicht realisiert werden könnte“, wie der Projektverantwortliche des bfw, Steffen Becker, betont.

 

B.I.S.S. – Bildung und Integration von Strafgefangenen und Strafentlassenen

42 Projektstellen in der JVA Suhl-Goldlauter
Umschulung und Qualifizierung in den Bereichen Fachlagerist, Maler/Lackierer, Landschafts- und Gartenbau
IHK-zertifizierte Abschlüsse 
Projektträger: Berufsfortbildungswerk Gemeinnützige Bildungseinrichtung des DGB
https://www.bfw.de/suhl/


ESF-Handlungsfeld: soziale Teilhabe
Förderrichtlinie: Integrationsrichtlinie
 

 

Alter schützt vor (Aus-)Bildung nicht.

Das bfw (Berufsfortbildungswerk Gemeinnützige Bildungseinrichtung des DGB) ist Projektträger des B.I.S.S.-Programms in der JVA. Bei der Umsetzung arbeitet das bfw eng mit der Anstaltsleitung zusammen und setzt die vom Land gewünschten Lern- und Ausbildungsinhalte um. Dazu gehören in Suhl-Goldlauter neben der Lagerlogistik auch die Bereiche Maler und Lackierer sowie Landschafts- und Gartenbau. Das Besondere an B.I.S.S. ist, dass es Menschen wie Mario ermöglicht, sich beruflich weiterzubilden. Nicht, weil Mario im Gefängnis sitzt, sondern weil er bereits 53 Jahre alt ist. Normalerweise wenden sich berufsbildende Maßnahmen für Strafgefangene an jüngere Personen. 

 

B.I.S.S. ist eines der ganz wenigen Projekte, die auch Ältere in den Fokus stellen. „Eigentlich bekommen Menschen in meinem Alter nicht mehr die Möglichkeit, eine Berufsausbildung zu machen“, weiß Mario zu berichten. „Darum bin ich sehr dankbar.“ Insgesamt dauert die Umschulung, zu der auch der Erwerb eines Staplerscheins gehört, 16 Monate. Danach wartet eine IHK-Prüfung auf Mario. Und bei Bestehen bietet ihm der Facharbeiterbrief im Logistik-Hotspot Thüringen gute Aussichten auf eine Anstellung.

 

Potenzial für neue Perspektiven.

Dass Mario seinen Facharbeiterbrief bekommt und sich dadurch neue Perspektiven schafft, daran hat sein Ausbilder Michael Dittrich keine Zweifel. „Mario ist sehr motiviert und gewissenhaft.“ Fragt man Michael Dittrich, worauf es beim Umgang mit Strafgefangenen ankommt, lautet seine Antwort: „Man muss die Menschen ernst nehmen und ihnen auch Anerkennung geben.“ Etwas, das nicht nur im Strafvollzug gilt. Aber dort ganz besonders. Denn am Ende geht es darum, Menschen, die mal einen Fehler begangen haben, eine zweite Chance zu ermöglichen. Zu ihrem Vorteil und zum Vorteil der Gesellschaft.

 

Marios Geschichte

 

Einblicke in Marios Alltag

 

Weitere Projekte